Mahle geht mit neuem Range Extender und E-Motor voran
Als Weltpremieren hat Mahle auf der IAA Transportation ein neues Range-Extender-System für E-Lkw und einen neuen Elektromotor für E-Achsen im Gepäck. Einen weiteren Schwerpunkt legt der Konzern auf Technologien für den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe.
„Unser Range Extender ist ein intelligentes ‚Notstromaggregat‘, das im richtigen Moment anspringt und die Reichweite entscheidend erhöht“, sagt Dr. Marco Warth, Leiter der Mahle Konzernentwicklung. Herzstück des neuen Systems ist ein ölgekühlter Hochvoltgenerator mit 110 kW Dauer- und 130 kW Spitzenleistung, der den Elektro-Antrieb versorgen kann und seinerseits von einem kompakten Vierzylinder-Verbrennungsmotor, der rein als Generator dient, angetrieben wird.
Entwickelt ist das Range Extender-System als eigenständige Einheit, die Generator, Verbrennungsmotor, Thermo- und Fluidmanagement, Kraftstofftank, AdBlue-Tank und Abgasnachbehandlung in einer kompakten „Box“ vereint. Laut Mahle passt die Box in den üblichen Batterie-Einbauraum eines E-Lkw und kann etwa ein Drittel der bestehenden Batteriekapazität ersetzen. In einer entsprechenden Modellrechnung gibt Mahle ein rund 600 Kilogramm geringeres Fahrzeuggewicht an (insbesondere rund 400 Kilogramm weniger Hinterachslast), kombiniert mit etwa 800 Kilometer Reichweite: je 400 mit den Batterien und dem Range Extender.
Nach Einschätzung von Mahle emittiert das Fahrzeug im Range Extender-Betrieb über 80 Prozent weniger CO2 als ein konventioneller Antrieb – und fast 100 Prozent weniger, falls der Verbrenner mit HVO100 betrieben wird. „Unser Range Extender ist der Schlüssel, um den Markthochlauf batterieelektrischer Lkw von der unzureichenden Geschwindigkeit des Infrastrukturausbaus zu entkoppeln“, ist Marco Warth überzeugt.
Einen konkreten Anwender nannte Mahle bei der Vor-IAA-Präsentation Ende Juli noch nicht, Mahle-CEO Arnd Franz deutete aber eine Entwicklung zusammen mit einem Fahrzeughersteller an.
Neuer MCT-E-Motor für E-Achsen
Premiere feiert in Hannover auch der Mahle Contactless Transmitter (MCT) E-Motor. Entwickelt für E-Achsen schwerer Nutzfahrzeuge, kommt der MCT-E-Motor ohne Permanentmagnete und damit ohne Seltene Erden aus. Gegenüber einer üblichen permanenterregten Synchronmaschine (PMSM) rechnet Mahle eine Einsparung von bis zu drei Kilogramm Seltenerdmagnete pro Fahrzeug vor, was den ökologischen Fußabdruck des E-Antriebs zusätzlich reduziert.
Im Systemvergleich kann der MCT-E-Motor laut Mahle auch mit einem höheren Wirkungsgrad und rund zehn Prozent weniger Gewicht punkten. Als Eckdaten gibt der Hersteller eine Spitzenleistung von 370 kW und ein Drehmoment von über 900 Nm bei 3.900 Umdrehungen an.
Weiteres Wachstum im Elektro-Segment
In Europa, so Mahle, ist das Unternehmen in jedem batterieelektrischen und Brennstoffzellen-Truck vertreten, sei es mit elektrischen Klimakompressoren, Pumpen oder Lüftern. Weiteres Wachstum verspricht sich Mahle mit Thermomanagement-Modulen, Ladeanschlussboxen, Batteriekühlplatten und Traktionsmotoren. Dabei setzen die Stuttgarter auch auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit chinesischen E-Lkw-Herstellern.
Erneuerbare Kraftstoffe unverzichtbar
„Selbst wenn der Hochlauf der Elektromobilität wie geplant gelänge, bliebe der CO2-Austoß der konventionellen Flotte auf dem Niveau des Jahres 2010“, sagt Arnd Franz mit Blick auf Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA). „Deshalb ist klar: Neben der Elektrifizierung muss die Versorgung mit nachhaltigen Kraftstoffen wie HVO100 und Bio-LNG massiv vorangetrieben werden.“ Vor diesem Hintergrund entwickelt das Unternehmen auch Komponenten für Verbrenner weiter, vorzugsweise in Kombination mit erneuerbaren Kraftstoffen. „CO2-Neutralität kann nur erreicht werden, wenn man alle Hebel zieht.“
Zur Weiterentwicklung von Biokraftstoffen sowie Biomaterialien und deren Anwendungen betreibt der Stuttgarter Automobilzulieferer seit rund zwei Jahren sein Global Biomobility Center in Brasilien. Aktuell arbeitet die Forschungs- und Entwicklungseinrichtung an einer Vielzahl von Projekten, etwa zur Effizienzoptimierung von Biokraftstoff- und Multi-Fuel-Motoren sowie zu neuen nachhaltigen Materialien.
Darüber hinaus sieht Mahle in Wasserstoff und seinen Derivaten einen wichtigen Hebel für die Abkehr von fossilen Energieträgern. Das Unternehmen beteiligt sich daher weltweit an einer Vielzahl von Wasserstoffwirtschafts-, Brennstoffzellen- und Wasserstoffmotoren-Projekten.
„Technologievielfalt ist entscheidend“, sagt Arnd Franz. „Batterieelektrik, Wasserstoff und erneuerbare Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren müssen gemeinsam zur CO₂-Reduktion eingesetzt werden. Ebenso sollten Range Extender-Systeme als pragmatischer Beschleuniger der Elektrifizierung anerkannt und regulatorisch berücksichtigt werden.“
Weitere Informationen:
Mahle Powertrain rüstet 13-Liter-Diesel auf Wasserstoff um
Bild: Mahle
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