Report: Foton unterstreicht Ambitionen in Europa
Als echter Full-Liner, der von Pickups und Transportern über Lkw und Busse aller Gewichtsklassen ein komplettes Programm zu bieten hat, setzt BAIC Foton verstärkt auf alternative Antriebe. Dabei fertigt der chinesische Hersteller auch Batterien, E-Achsen und weitere Antriebstrangkomponenten selbst.
Im Mittelpunkt stehen batterieelektrische und Brennstoffzellen-Antriebe sowie Hybride, verbunden mit einer ehrgeizigen Marschroute: Schon bis 2030 will Foton mit alternativ angetriebenen Fahrzeugen 50 Prozent des Gesamtumsatzes erzielen. Zudem soll bei der weiteren Entwicklung der Marke im Premium-Segment der europäische Markt eine zentrale Rolle spielen. Ihr neues Flaggschiff „Beacon“ aus der New-Energy-Reihe Cavan enthüllten die Chinesen folgerichtig auf der IAA in Hannover.
Die Plattform der Fernverkehrs-Sattelzugmaschinen ist wahlweise auf batterieelektrische und Brennstoffzellen-Antriebe ausgelegt: Für ein breites Einsatzspektrum des Cavan Beacon nennt Foton in Kombination verschiedener Kabinenkonfigurationen, E-Achsen, Batterien und Brennstoffzellensysteme insgesamt 15 Fahrzeug-Grundvarianten. Beim aerodynamischen Fahrerhaus betont der Hersteller einen cW-Wert von nur 0,28 (übliche moderne Sattelzugmaschinen liegen bei 0,5 bis 0,6) und die vorliegende Zertifizierung nach EU-Verordnung ECE R29-03 (Insassenschutz).
Laut Foton unterstützt der Cavan Beacon Ladeleistungen bis 1,44 Megawatt und bietet Batteriekonfigurationen bis 677 kWh Gesamtkapazität mit einer Lebensdauer von mehr als 2 Millionen Kilometer. Neben dem Megawatt-Laden verfolgt Foton auch alternative Fahrzeugkonzepte mit Batteriewechsel. Als Richtwerte für den Durchschnittsverbrauch werden 115 kWh für 6×4-Modelle und 105 kWh für 4×2 genannt – das scheint nach allen bisherigen Erfahrungen mit E-Zugmaschinen eine recht konservative Einschätzung.
Für die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Versionen nennt Foton Reichweiten bis 1.000 Kilometer, wobei sowohl Tanksysteme für gasförmigen wie auch für flüssigen Wasserstoff vorgesehen sind. Das Brennstoffzellensystem und die E-Achse sollen eine Lebensdauer von mehr als 1,6 Millionen Kilometer erreichen, der Durchschnittsverbrauch von 6×4-Zugmaschinen bei 7,6 Kilogramm Wasserstoff liegen.
Hinsichtlich Assistenzsysteme listet Foton 22 intelligente Funktionen auf, darunter Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent, automatischer Spurwechsel und Überholassistent, darüber hinaus eine KI-gestützte Sprachsteuerung. Die Systemarchitektur sei zudem bereits für die Weiterentwicklung zum autonomen Fahren im Level 4 ausgelegt (ohne Fahrerbereitschaft oder auch komplett fahrerlos unter definieren Rahmenbedingungen).
Das Cockpit prägt ein 12,3-Zoll-Instrumentendisplay und ein 15,6-Zoll-Multimedia-Touchscreen in der Mittelkonsole, inklusive Lkw-Navi und Smartphone-Konnektivität. Darüber hinaus versprechen die Chinesen für den Langstreckeneinsatz hochwertige Sitze und ein bis zu 100 Zentimeter breites Schlafabteil.
Als batterieelektrische Variante für den städtischen Verteilerverkehr stellte Foton auf der IAA den Leicht-Lkw Daystar vor. Hinsichtlich Batterieoptionen und Fahrerhäuser nennt der Hersteller 100 bis 171 kWh Gesamtkapazität sowie wahlweise hoch montierte Kabinen mit zwei Einstiegsstufen oder tiefe Varianten mit einer Stufe und nur 470 Millimeter Einstiegshöhe.
Aus der Abteilung Plug-in-Hybride präsentierte Foton in Hannover eine 4×2-Sattelzugmaschine der Reihe Galaxus R9 PHEV. Das Exponat wurde als das 13-millionste weltweit von Foton produzierte Fahrzeug beziffert und im Rahmen der Messe an einen spanischen Händler übergeben. In Spanien hatte der Galaxus, den es weltweit mit verschiedenen Diesel- und Gasmotoren gibt, zuvor schon europäische Praxistests absolviert.
Die Variante Galaxus R9 PHEV kombiniert einen 13-Liter-Diesel von Cummins mit einem 220-kW-E-Motor, einem automatisierten Zwölfganggetriebe von ZF und einer 58-kWh-Batterie für Rekuperationsenergie und externes Laden (DC bis 180 kW). Standard ist eine Vollluftfederung, für Europa außerdem die Ausstattung mit allen geforderten Assistenzsystemen.
In Sachen Antriebstechnik arbeitet BAIC Foton künftig mit dem chinesischen Motoren- und Komponentenhersteller Weichai Power zusammen. Die beiden Unternehmen schlossen Ende September 2026 eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Schon seit 2012 besteht ein 50:50-Joint-Venture mit Daimler Truck, das 2022 in einen neuen Produktionsstandort in Peking mündete. Unter anderem laufen dort lokalisierte Mercedes-Benz Actros und schwere Lkw der Reihe Foton Auman vom Band.
„In Europa, für Europa“ lautet das Motto, mit dem Foton über lokale Produktanpassungen, komplette Ökosysteme rund um die alternativen Antriebe sowie kooperative Partnerschaften den Absatz in hiesigen Gefilden ankurbeln will. Laut Foton umfasst das Vertriebsnetz momentan knapp 20 europäische Märkte. Bis 2028 sollen alle wichtigen Märkte abgedeckt sein, inklusive lokaler Montage und der Errichtung eines europäischen Technologiezentrums. Derzeit listet Foton 32 lokale Produktionsstandorte weltweit auf, vor allem in Südostasien, Lateinamerika und dem Nahen Osten.
Gemeinsam mit COSCO Shipping Specialized Carriers hat Foton zudem ein Joint Venture gegründet, das zusätzliche Transportkapazitäten für den Fahrzeugexport bereitstellen soll. Mit Blick auf die jüngsten Zahlen scheint das tatsächlich notwendig: Von Januar bis August 2026 exportierte Foton nach eigenen Angaben rund 149.000 Fahrzeuge, ein Plus von 44,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Den aktuellen Stand im europäischen After Sales beziffern die Chinesen mit nationalen Ersatzteillagern in 17 Ländern und mehr als 300 europäischen Servicestellen. In Deutschland unterhält Foton ein Ersatzteilzentrum in Unna und hat zudem mit der Ende 2016 übernommenen Brock Kehrtechnik GmbH in Bochum einen Fuß in der Tür, auch in Sachen Fahrzeugimport. Auf der IAA in Hannover gab es folgerichtig auch eine vollelektrische Kehrmaschine vom Typ eGalaxus D3 mit Aufbau von Brock zu sehen.
Weitere Informationen:
Report: China-Marke Foton auf Exportkurs
Bild: Foton 







