Batterieelektrischer Superpanther eTopas 600

Report: Erste Serien-Superpanther aus Steyr

von | 17. August 2026

Mit dem eTopas 600 rollen die ersten chinesischen E-Lkw aus europäischer Fertigung an. Die Nummer Eins ging an DHL Freight.
Bild: DHL Freight

Die erste in Serie gefertigte Elektro-Sattelzugmaschine eTopas 600 von Superpanther ging Ende Juli an DHL Freight.

Die etablierten europäischen Lkw-Hersteller dürften es zur Kenntnis genommen haben: Ende Juli ist bei Steyr Automotive die Serienproduktion des batterieelektrischen Superpanther eTopas 600 angelaufen. Die erste 4×2-Elektro-Sattelzugmaschine aus österreichisch-chinesischer Produktion ging an DHL Freight. Der Logistiker will das Fahrzeug künftig in den Niederlanden einsetzen. Weitere Fahrzeuge aus der ersten produzierten Charge gingen an Unternehmen in Deutschland, Österreich und Polen.

Bereits im Jahresverlauf 2025 hatte DHL Freight mehrfach Vorserienfahrzeuge in Österreich unter Realbedingungen getestet, unter anderem auf der rund 200 Kilometer langen Strecke zwischen Wien und Wels. „Die Tests in Österreich haben uns wichtige Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs geliefert. Der geplante Einsatz im DHL-Freight-Netzwerk ist für uns der nächste Schritt, um gemeinsam emissionsreduzierte Straßentransporte weiter voranzubringen“, berichtet Antje Huber, SVP Strategy, Marketing & Staff, DHL Freight.

Bild: DHL Freight

Antje Huber (DHL Freight) und Chao Liu (Gründer & CEO Superpanther) bei der feierlichen Fahrzeugübergabe in Steyr.

Das chinesische Unternehmen Superpanther, erst 2022 gegründet, hat sich auf Energietechnologien für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge spezialisiert. Der eTopas 600 ist der erste elektrische Lkw, den der Automobilhersteller für den europäischen Markt entwickelt hat.

„Europa braucht keinen weiteren importierten Lkw. Es braucht einen weiteren Industriepartner“, hält Chao Liu, CEO von Superpanther selbstbewusst fest. „Das war von Anfang an unser Ansatz. Durch die Kombination unserer Technologieplattform mit europäischen Fertigungs-, Validierungs- und Servicekapazitäten entwickeln wir gemeinsam mit Europa ein europäisches Produkt.“

621 kWh Batteriekapazität und Dual-Gun-Charging

Der eTopas 600 entsteht im Semi-Knocked-Down-Verfahren (SKD), mit Endmontage und Qualitätsabnahme bei Steyr Automotive. Superpanther liefert aus China Kernsysteme wie die E-Achse mit zwei Motoren, die Hochspannungs-Leistungselektronik und das Wärmemanagementsystem. Europäische Industriepartner wie ZF, Schaeffler, Aumovio, Infineon, Michelin, Continental, Goodyear und Castrol steuern weitere Systeme und Komponenten bei.

„Jedes Fahrzeug, das dieses Werk verlässt, muss unsere vereinbarten Qualitätsstandards erfüllen“, sagt Siegfried Wolf, Eigentümer und Vorsitzender des Aufsichtsrats von Steyr Automotive. „Die Marken ‚Superpanther‘ und ‚by Steyr Automotive‘ stehen beide dafür.“

Bild: Steyr Automotive

Steyr Automotive übernimmt die Endmontage der chinesischen SKD-Bausätze und die Qualitätsabnahme.

Die Sattelzugmaschinen eTopas 600 sind für ein zulässiges Gesamtgewicht von 42 Tonnen ausgelegt. Mit einer Gesamtkapazität von 621 kWh (LFP-Batterien von CATL) nennt Superpanther ein vergleichsweise günstiges Leergewicht von 10,8 Tonnen. Die weiteren Werksangaben: 394 kW Dauer- und 692 kW Spitzenleistung für die zweimotorige E-Achse, 876-Volt-Systemarchitektur, eine Batterie-Lebensdauer von bis zu 1,2 Millionen Kilometern oder acht Jahren und die Möglichkeit des Dual-Gun-Charging mit 635 kW Durchschnittsleistung über beidseitige CCS2-Anschlüsse (also parallel an zwei Ladestationen, sofern die Infrastruktur das hergibt).

Beim integrierten Wärmemanagementsystem mit Niedertemperatur-Wärmepumpe spricht Superpanther/Steyr von einem zuverlässigen Betrieb bei Umgebungstemperaturen von −35 bis +40 Grad.

Der Durchschnittsverbrauch soll bei 0,95 kWh pro Kilometer liegen

Laut Superpanther/Steyr hat die europäische Kunden-Testflotte seit März 2026 unter realen Betriebsbedingungen mehr als 70.000 Kilometer zurückgelegt. „Über verschiedene Routen, Nutzlasten und Einsatzzyklen hinweg lag der durchschnittliche Energieverbrauch bei etwa 0,95 kWh pro Kilometer“, sagt Dr. Michael Ruf, Präsident Europa von Superpanther. Nun sind derlei Herstellerangaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, aber falls sich das in der Praxis bewahrheiten sollte, liegen die chinesischen E-Lkw mindestens auf Augenhöhe mit der europäischen Konkurrenz. Rückgerechnet auf die Batteriekapazität, mündet der angenommene Durchschnittsverbrauch in rund 600 km Reichweite.

„Viele Flottenbetreiber haben den eTopas 600 als einen der energieeffizientesten Elektro-Lkw beschrieben, die sie getestet haben“, legt Ruf noch nach. „Diese Leistung wird nicht durch eine einzelne Komponente erzielt, sondern durch das kontinuierliche Zusammenspiel unserer selbst entwickelten Kernsysteme. Durch eine softwaredefinierte Fahrzeugarchitektur werden Antriebsstrang, Thermomanagement, Leistungselektronik und Energiemanagementsystem kontinuierlich optimiert, um als ein einziges integriertes System zu funktionieren.“ Bleibt die Frage nach dem Preis, aber dazu gibt es derzeit keine konkreten Angaben (von europäischen E-Lkw-Herstellern in der Regel allerdings auch nicht).

Bild: Steyr Automotive

„Built in Steyr, ready for Europe”: Superpanther hat mit der Serienfertigung in Österreich große Pläne.

Wartung und Reparatur sollen jedenfalls kein Problem darstellen: Superpanther arbeitet diesbezüglich mit dem unabhängigen Werkstattnetzwerk Alltrucks zusammen, 24/7-Pannendienst inklusive. Parallel dazu will das Unternehmen Qualifizierungsprogramme für Servicetechniker, Ersatzteillogistik sowie Ferndiagnose- und Over-the-Air-Funktionen aufbauen.

Weitere Informationen:
Superpanther kooperiert mit ELMI Power

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