RWTH Aachen erforscht „virtuelle Logistikspuren“
Der Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen hat das Forschungsprojekt „ViDeLL“ gestartet. In dem von der NRW-Landesregierung und der EU geförderten Vorhaben soll ein Verkehrskonzept mit „virtuellen Straßenabschnitten“ zur zeitweise ausschließlichen Nutzung von automatisierten Logistik-Fahrzeugen entstehen.
„Die prognostizierte Zunahme des Gütertransports führt unsere Straßen in absehbarer Zeit zur vollständigen Überlastung“, sagt PEM-Leiter Professor Achim Kampker. Das „ViDeLL“-Projekt fokussiere sich daher sowohl auf die städtische Endverbraucher- und Handelslogistik als auch auf die Industrielogistik zwischen urban angesiedelten Produktionsstandorten.
Während aktuelle Forschungsprojekte sich auf die Integration von Elektrofahrzeugen oder die Optimierung von Lieferzeiten konzentrierten, ziele „ViDeLL“ darauf ab, die Flexibilität und Effizienz des Verkehrsraums durch innovative Technologien grundlegend zu verbessern. „Intelligente Fahrbahnmarkierungen“ und ein integriertes Gesamtsystem aus automatisierten Fahrzeugen, Infrastruktur-Sensorik und zentralem Steuerungssystem ergäben einen Ansatz, der über bisherige Lösungen hinausgehe.
„Flexible virtuelle Lösungen durch optische Komponenten sind wirtschaftlich attraktiv, da sie mit einer effizienten Nutzung des vorhandenen Straßenraums und erheblich weniger Baumaßnahmen einhergehen als physische Fahrspuren für einzelne Fahrzeuggruppen“, sagt PEMs Projektverantwortlicher Tarik Hadzovic.
Weitere Partner des bis Dezember 2028 angesetzten Projekts sind die Technische Hochschule Köln, das Münchener Start-up Ecoro (automatisierter Gütertransport), Lake Fusion Technologies (Software für hochautomatisierte Systeme) und Batterie-Spezialist PEM Motion. Gemeinsam sollen die Projektpartner geeignete Anwendungsfälle für virtuelle Logistikspuren in urbanen Räumen sowie deren Umgebung analysieren und ein Gesamtsystem konzipieren, das den Aufbau von „On-site“-Sensorik zur Absicherung der virtuellen Straßenabschnitte umfasst. Solche Vor-Ort-Lösungen seien deutlich günstiger als beispielsweise in einzelnen Fahrzeugen installierte Sensorik.
Anschließend sollen Algorithmen für die dynamische Zuweisung und Steuerung der virtuellen Logistikspuren auf Basis von Echtzeit-Verkehrsdaten entstehen. Zudem untersuche das Konsortium die Interaktion zwischen automatisierten Logistikfahrzeugen und anderen Verkehrsteilnehmern, erarbeite ein Sicherheitskonzept sowie Lösungsansätze für zulassungsrechtliche Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für regulatorische Anpassungen.






